Samstag, 27. Januar 2018

Santa Pola del Este 3

176.Tag, Sonntag 24.April

Mittags setze ich mich inmitten von lärmenden spanischen Großfamilien in ein Chiringuito am Meer und bestelle mir Mejillones und Calamares a la Plancha. Wirklich interessant, das sonntägliche bunte Treiben und die Charaktere zu beobachten - einige erinnern mich stark an Figuren aus Almodóvars Filmen. Aber schön: drei Generationen an einem Tisch, die Kinder, besonders die kleinsten, hübsch herausgeputzt und das allgegenwärtige Móvil ist auch hier immer mit dabei. Ein Niña fotografiert ihren gelben Teddybären vor der Kulisse des in allen Blautönen changierenden Mittelmeeres, eine zukünftige Kollegin?


Spaziergänge, Telefonate mit Nichte und Neffe und ein einfaches aber Lieblingsessen: Steak mit gebratenem Chicoree, das war der Sonntag in Santa Pola.











Santa Pola del Este 2

175.Tag, Samstag 23.April

Ein neuer Tag, eine andere Stimmung. Ich fange an, die neue Umgebung zu genießen, unseren neuen Stellplatz, direkt am Paseo Maritim nur ein paar Schritte vom Meer entfernt. Der Ort selbst besteht hier überwiegend aus Ferienhäusern, die meisten sind sicher nur im Sommer bewohnt. Fotografisch reizlos für mich.

Wir fahren ins Zentrum zum Einkaufen und kehren dann zurück zu unserem Stellplatz. Sportler, Jogger, Fahrradfahrer und Schwimmer bevölkern den Paseo, dazu Angler, die ihre großen Angeln immer wieder unverdrossen ins Meer auswerfen. Dass sie etwas fangen, habe ich nie gesehen.





Abends ein Festmahl selbst zubereitet: Gambón grande al ajillo con perejil, hmmm!





Los Alcázares - Santa Pola del Este

174.Tag, Freitag 22.April

Heute soll es weiter gehen in Richtung La Vila Joiosa, in etwa 130 Kilometer Entfernung. Auf halber Strecke liegt Santa Pola del Este, hier könnten wir einen schönen Nachmittagsspaziergang mit den Hunden machen. Wie immer landen wir direkt unten am Meer und ihm gefällt der Platz so gut, dass er gar nicht mehr weiter fahren mag. Also bleiben wir. Wenn das so weiter geht, sind wir nicht vor August, September wieder zuhause! Grund für mich, wieder in Verzweiflung zu verfallen... Obwohl, schön ist es hier auf jeden Fall! Er weiß auch nicht, wie ihm geschieht.









Los Alcázares 4

173.Tag, Donnerstag 21.April

Juhu, leckere Enseimadas zum Frühstück, die Bäckerei La Bastida hat wieder geöffnet! Doch die Bäckerin bleibt weiterhin verschollen, es ist nur der Bäcker selbst, der mir mit verstrubbeltem Haar morgens meine allerleckersten Enseimadas verkauft. Wo mag sie nur geblieben sein? Ist sie ihm davon gelaufen, oder hütet sie vielleicht zuhause die Kinder? Natürlich frage ich so etwas nicht - und habe es bis heute nicht erfahren...









Weil ich bei DIA, einem schlecht sortierten Supermarkt, keine frischen Köstlichkeiten, z.B. Garnelen fürs Abendessen bekomme, gehe ich noch einmal in mein Restaurant "La Encarnacion". Ich bestelle zwei Vorspeisen: Lauwarmer Salat mit Gambas und Coquilles in einem Meeresfrüchtedressing und Pulpo a la plancha, danach Zitronensorbet und Cafe solo... Sehr schön!
 




Er holt mich mit den Hunden ab und zusammen machen wir noch einen Abendspaziergang am Meer.





Los Alcázares 3

172.Tag, Mittwoch 20.April

Der Sturm ist vorüber, morgens weht gar kein Wind, allerdings ist es grau und der Himmel ist bedeckt. Auch irgendwie eine schöne Stimmung hier, zumindest für Fotos. Die Bäckerin mit PMS bzw. ihr Bäcker machen heute Ruhetag, sodass ich keine leckeren Enseimadas zum Frühstück habe, wie gemein!

Mittags gehen wir dann zu viert über die Uferpromenade bis zum Hafen, finden es hier auch sehr schön und überlegen, ob wir uns hier einen neuen Stellplatz suchen sollen, am Paseo de la Concha.

Es regnet ein wenig, wir machen Siesta, aber die Sonne scheint dann auch. Und nein, wir bleiben an der Kirche stehen, es ist zuviel Aufwand, wieder alles festzuzurren und umzuziehen.











Freitag, 26. Januar 2018

Los Alcázares 2

171.Tag, Dienstag 19.April

Puh, was für ein Sturm! Den ganzen Tag weht ein äußerst heftiger Wind, der den Aufenthalt draußen zu einer Tortur macht. Speziell am Meer ist es natürlich nicht auszuhalten.



Deshalb gehe ich mittags mit den Hunden einfach in die entgegen gesetzte Richtung, weg vom Meer, da ist man in manchen Bereichen sogar einigermaßen windgeschützt. Ich entdecke auch ein paar mehr oder weniger gut gepflegte Grünanlagen - die Krise, kein Geld, sie ordentlich instand zu halten - sodass die Hunde zumindest reichlich schnuppern und ihre Geschäfte erledigen können. Farah kann ich hier auch meistens frei laufen lassen, hier fährt kaum ein Auto und sie bleibt sowieso meist in meiner Nähe. Aber dann, sie hat wohl etwas Gras (nur Gras?) gefressen, wird ihr schlecht und sie spuckt es wieder aus. Ich will sie zu mir nehmen und anleinen, doch als ich mich ihr nähere, sieht sie mich mit schreckgeweiteten Augen an, blickt sich panisch um, als hätte sie in den Abgrund der Hölle geschaut und rast mit höchster Geschwindigkeit über die (leere) Straße davon wie ein Pferd, was durchgeht, nicht mehr ansprechbar für mein Rufen. Was bleibt mir - das ist so erschreckend und auch völlig ungewöhnlich für Farah - ich renne hinter ihr her und sehe, wie sie plötzlich aus vollem Lauf umfällt und alle viere von sich streckt. Meine ersten panischen Gedanken sind: "Gift - sie stirbt!" Doch als ich sie erreiche, sehe ich was los ist: Sie zuckt in einem epileptischen Anfall. Nur sehr kurz, Gott sei Dank, sie kommt schon wieder zu sich und ich kann sie wenig später anleinen und vorsichtig in den Schatten unter einen Baum führen, ihr zu trinken geben (sie trinkt dann tatsächlich ungewöhnlich viel) und sie ein bisschen ausruhen lassen. Sie wirkt noch sehr durcheinander, ist aber rührend liebevoll, sucht meinen Augenkontakt, stupst mich an und wedelt freudig, wenn ich sie anspreche. Ich habe keine Ahnung, was der Auslöser für diesen Anfall war, hat sie etwas Schlechtes gefressen, ist es der unaufhörliche Wind? Ich erinnere mich, dass sie vor vielen Jahren schon einmal so etwas hatte. Damals habe ich angenommen, es käme von dem 'Coq au vin', welches er am Vorabend großzügig mit ihr geteilt hatte. Ich war auch der Meinung, dass der Alkohol darin verkocht sein müsse, das stimmt aber wohl nicht. Jedenfalls habe ich seitdem bei jedem Spaziergang etwas Valium in einem Notfallkästchen bei mir, musste es aber nie benutzen. Auch bei diesem zweiten Anfall nicht, weil der ja nur ganz kurz andauerte. Trotzdem, es war schrecklich, dies mitansehen zu müssen, vor allem ihre offensichtliche Panik und der besinnungslose Lauf, bevor sie zusammen gebrochen ist. Nachdem sie sich aber etwas erholt hat, ist sie für den Rest des Tages und auch an den folgenden Tagen wieder ganz die Alte. Nur am Anfang vergewisserte sie sich immer wieder durch Augenkontakt mit mir, dass alles in Ordnung ist, so schien es mir jedenfalls.


Am Abend wird  wieder einmal gekocht, Kefte und kurz gedünsteter Brokkoli. Er ist begeistert und meint, dies sei eines der leckersten Essen auf der bisherigen Reise. Alhamdullilah, er hat deutlich mehr Appetit als in Marokko und isst einmal am Tag auch ein riesiges Müsli mit Früchten und Yoghurt.





Aguilas - Los Alcázares

170.Tag, Montag 18.April

Es ist bedeckt, Regen tröpfelt sogar ein wenig vom Himmel - wir fahren! Er verspricht: "Aguilas, ich komme wieder!" Hier war es aber auch wirklich sehr schön, einer seiner Lieblingsorte in Spanien. Nur Leon fand es wahrscheinlich doof hier. Nach den wiederholten Ausreißern auf unserer letzten Tour war er dieses Mal immer an der Leine.

Unsere Route führt nicht mehr direkt an der Küste entlang, sondern ein wenig durchs Hinterland in Richtung Lorca. Zunächst sehr schöne karge und einsame Landschaft, verlassenen Fincas, Felder mit Mandelbäumen, auch diese verlassen und nicht mehr gepflegt. Doch einige tragen immer noch brav Früchte...

In Los Alcázares angekommen, machen wir zuerst alle zusammen einen Spaziergang über den Paseo Maritim und später durchs Städtchen. Unser Internet-Guthaben ist wieder einmal verbraucht und wir wollen es bei Vodafone erneut aufladen lassen. Doch Vodafone finden wir nicht, stattdessen einen Laden, der Mundo/Orange-Simkarten vertreibt. Weil die in diesem Monat eine Werbeaktion mit doppeltem Datenvolumen durchführen, wollen wir also diesmal Orange kaufen. Aber, oh weh, böse Falle! Der Inder oder Pakistaner, der den Laden wohl ganz neu betreibt, hat, wie sich nach und nach herausstellt, nicht die geringste Ahnung von dem, was er tun muss, um die Sim-Karte fürs Internet zu aktivieren, sodass wir über eine Stunde später, nachdem er verschiedenste Telefonate mit anderen Indern und einer Orange-Vertetung geführt hat, den Laden unverrichteter Dinge wieder verlassen. Die Warterei hat mich irgendwann derart zermürbt und gestresst, dass ich für den Rest des Tages nicht mehr zu gebrauchen bin, ein Nervenbündel. Wir kaufen noch bei Mercadona ein, besuchen dort auch den Lebara-Laden, wo wir auf der ersten Reise den waschechten Flinger Jung mit spanischen Wurzeln getroffen haben, in der Hoffnung, dass der uns vielleicht weiter helfen kann. Diesmal treffen wir seine Tochter dort an, die ebenso gut Deutsch spricht und uns immerhin die Adresse einer Vodafone-Vertretung geben kann: Einkaufszentrum "Dos Mares", Ausfahrt 777 auf der A7. Wir fahren hin, und während ich im Bus die Hunde füttere, die heute auch einen doofen Tag hatten, lässt er die Sim-Karte bei Vodafone wieder aufladen. In meiner desolaten Verfassung vergesse ich dann auch noch, den Kühlschrank wieder zu sichern, sodass der in der nächsten Kurve aus seiner Box fliegt. Das reicht! Jetzt bin ich endgültig am Rande des Nervenzusammenbruchs und er muss mir mit einem Gläschen feinen alten Rum wieder auf die Beine helfen. Hilft so halbwegs...


Die Nacht verbringen wir an der Kirche "Virgen de la Asunción", wo wir schon öfters gestanden haben.